Auf Ideensuche für das Kolpinghaus

Für das Kolpinghaus werden Ideen gesucht

 

Multimedia Redakteur Andreas Gabbert

Das markante Gebäude in der Monschauer Altstadt soll umgebaut werden. Am Tag der offenen Tür werden weitere Ideen zur künftigen Nutzung gesammelt.



Die ersten Pläne liegen vor. Bernd Maaßen (links) und Ralf Kaulen hoffen, weitere Vorschläge für den Umbau und die Nutzung des Kolpinghauses zu erhalten. Foto: Andreas Gabbert

Über der Theke hängt noch die alte Felsquell-Pils-Reklame, und die schon antik wirkende Kegelbahn verläuft vor den Fenstern von einem Ende des Saals zum anderen. Nicht nur die große Uhr, die einst am Monschauer Bahnhof hing, ist stehen geblieben. Es wirkt, als sei in den Räumen des Kolpinghauses in der Monschauer Altstadt auch die Zeit stehen geblieben. Und es riecht auch so: abgestanden und etwas muffig.



Das Felsquell-Pils wird schon lange nicht mehr gebraut, die Werbung hängt im Kolpinghaus aber noch über der Theke. Foto: Andreas Gabbert

Kein Wunder, denn in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurde die ehemalige Weberei und Tuchschererei, die um 1900 von der Kolpingsfamilie (einem katholischen Gesellenverein) übernommen wurde, immer weniger genutzt. Handwerksgesellen auf der Walz nächtigen dort nur noch äußerst selten. An 90 von 100 Tagen ist es ruhig und still. Laut ist es da nur an Kirmes und Karneval, und gesellig wird es lediglich, wenn die Schützen dort ihr Hubertus-Essen veranstalten, wenn zum „Verzällche“ eingeladen wird, oder wenn sich Vereinsvorstände zu ihren Sitzungen treffen.

Doch das ist der Monschauer Kolpingsfamilie nicht genug. Sie will dem Haus neues Leben einhauchen und es zu einer Begegnungsstätte machen, die allen offen steht – auch über die Grenzen der Altstadt hinaus.

Nachdem sich der Vorstand der Kolpingsfamilie vor zwei Jahren verjüngt und neuformiert hat, war man sich einig, dass mit dem Haus etwas geschehen muss. Anschließend wurden in einem ersten Schritt die vormals braunen Wände im Saal weiß gestrichen. Doch damit ist es nicht getan, der Sanierungsbedarf ist viel größer und die Pläne des neuen Vorstands reichen deutlich weiter. Umgesetzt werden sollen sie unter anderem mithilfe des Förderprogramms „Dritte Orte“.



Die alte Kegelbahn ist noch funktionstüchtig. Foto: Andreas Gabbert

Jascha Braun vom Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR-ADR) und Bürgermeisterin Carmen Krämer hatten die Kolpingsfamilie auf dieses Programm hingewiesen. „Wir hatten im Herbst dann noch drei Wochen Zeit, einen Antrag zu stellen“, sagt der Vorsitzende der Monschauer Kolpingsfamilie, Bernd Maaßen.

50.000 Euro hat das Landesministerium für Kultur und Wissenschaft für die Planungen zur Verfügung gestellt. Seit April läuft nun die Konzeptphase, in der die Sanierung und Umgestaltung des 1778 erbauten Hauses am „Stehlings“ erarbeitet und von einem Planungsbüro begleitet wird.

Das Büro nbp-Architekten aus Roetgen hat alles vermessen und inzwischen die ersten Planzeichnungen vorgelegt. Klar ist, dass das Gebäude möglichst barrierearm gestaltet werden soll. Bislang gilt es, hier und da steile Treppen und so manche Stufe zu überwinden – behinderten- und seniorengerecht ist das nicht. Ein Aufzug soll künftig für Abhilfe sorgen. Geplant ist auch, den auf Straßenniveau liegenden Bereich künftig nicht mehr nur als Lagerraum, sondern als Veranstaltungsfläche und als Eingangsbereich zu nutzen. Die sanitären Anlagen sollen erneuert und verlegt werden. Im Dachgeschoss sind Wohnmöglichkeiten geplant.



Im Obergeschoss gibt es für die Kolpingsfamilie noch viel zu tun. Foto: Andreas Gabbert

Im Zentrum steht aber eine Nutzung als kulturelle Begegnungsstätte. „Das soll hier ein Haus werden, wo man sich kulturell austoben kann“, sagt der Geschäftsführer der Monschauer Kolpingsfamilie, Ralf Kaulen. Vorstellbar sei etwa eine Nutzung als Proberaum, damit der Blockflötenunterricht nicht mehr im Wohnzimmer stattfinden muss, als Bühne für Theateraufführungen und für viele andere Zwecke von Gruppen und Vereinen aus der Region. Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste könnten ebenfalls dort gefeiert werden.


Deshalb hat die Kolpingsfamilie bereits bei den anderen Vereinen der Altstadt nachgefragt, welche Nutzung sie sich vorstellen können. Diese Überlegungen sollen fortgeführt werden, wenn die Kolpingsfamilie im Rahmen des „Tags der Dritten Orte NRW“ alle Interessierten zum Tag der offenen Tür (siehe Box) ins Kolpinghaus einlädt. Am Samstag, 31. August, werden von 11 bis 18 Uhr die ersten Architekten-Entwürfe vorgestellt und weitere Ideen und Anregungen gesammelt, wie das Haus zukünftig zu einem Begegnungsort für Kunst, Kultur, Bildung und persönlichen Austausch werden könnte. „Wir hoffen auf viele Anregungen“, sagt Bernd Maaßen und Ralf Kaulen ergänzt: „Noch ist nichts in Stein gemeißelt.“



Das Untergeschoss soll nicht mehr nur als Lagerraum dienen. Foto: Andreas Gabbert

Richtig losgehen soll es dann im kommenden Jahr. Bis März muss ein weiterer Antrag mit dem fertigen Konzept für das Förderprogramm „Dritte Orte“ eingereicht werden, um 450.000 Euro für die Sanierung zu erhalten. Die Kolpingsfamilie ist zuversichtlich, diesen Betrag auch zu bekommen. „Denn bislang haben wir alles plausibel erklären können“, sagt Maaßen. Dennoch halten er und seine Mitstreiter noch Ausschau nach weiteren Fördermöglichkeiten, etwa für den Bau der Wohnungen im Obergeschoss, die später dazu beitragen sollen, die laufenden Kosten zu decken. „Es liegt noch etwas Arbeit vor uns“, sagt Maaßen.


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