Kolpinghaus wird Versammlungsort für Monschauer Kultur

Aachener Zeitung 25.03.2024 - Mira Otto (Lokalredaktion)

Der Verein „Kolpingsfamilie Monschau“ hat eine Zusage für das Förderprojekt „Dritte Orte“ erhalten. Nach der Erstellung eines Konzepts könnte so der Weg für umfassende Baumaßnahmen möglich werden.

Der Vorsitzender des Vereins „Kolpingsfamilie Monschau“, Bernd Maaßen, vor dem Kolpinghaus am „Stehlings“. In wenigen Tagen beginnt die Konzeptphase für die Umgestaltung.  Foto: Mira Otto
Der Vorsitzender des Vereins „Kolpingsfamilie Monschau“, Bernd Maaßen, vor dem Kolpinghaus am „Stehlings“. In wenigen Tagen beginnt die Konzeptphase für die Umgestaltung.  Foto: Mira Otto

Nach einigen Anläufen wird es im Kolpinghaus in der Monschauer Altstadt jetzt ernst: Der Verein „Kolpingsfamilie Monschau“, dessen Mitglieder das Kolpinghaus in der Monschauer Altstadt besitzen, hat eine Zusage für das Förderprogramm „Dritte Orte“ erhalten.

Zunächst beginnt ab April über ein Jahr eine Konzeptphase, in der die Sanierung und Umgestaltung des 1778 erbauten Hauses am „Stehlings“ erarbeitet wird. 50.000 Euro stellt das Landesministerium für Kultur und Wissenschaft für die Planungen zur Verfügung. Außerdem wird dem Verein ein Planungsbüro an die Seite gestellt, das die Konzeptphase beratend unterstützt. Oberstes Ziel ist es, das Kolpinghaus zu einem Raum des kulturellen Zusammenlebens zu gestalten. Durch die Förderung und die anschließenden Veränderungen soll sich das Potenzial der einstmaligen Weberei und Tuchschererei für das Vereinsleben, öffentliche Veranstaltungen und schlichtes Beisammensein voll entfalten.

Trotz beinahe 250 Jahren ist die Bausubstanz des Kolpinghauses noch in Ordnung. Das ist lange nicht bei allen Häusern, die vor so langer Zeit gebaut worden sind, so.  Foto: Mira Otto
Trotz beinahe 250 Jahren ist die Bausubstanz des Kolpinghauses noch in Ordnung. Das ist lange nicht bei allen Häusern, die vor so langer Zeit gebaut worden sind, so.  Foto: Mira Otto

Obwohl noch nichts festgeschrieben ist, gibt es bereits Ideen, welche Maßnahmen das Konzept enthalten könnte. Schon jetzt wird in und rund um das Kolpinghaus sichtbar, dass einige Dinge im Gange sind. Erst vor kurzem sind die Wände des großen Saals, der sich auf der ersten Etage des Hauses befindet, weiß überstrichen worden. „Vorher waren die Wände dunkel“, sagt Bernd Maaßen, der Vorsitzende des Vereins „Kolpingsfamilie Monschau“. Jetzt sei es gemütlicher.Auch die meisten Fenster, ein Teil des Daches und ein Teil der Elektronik sind bei dem fast 250 Jahre alten Haus bereits erneuert worden. „Der alte Vorstand hat alles getan, um das Haus zu erhalten“, sagt Maaßen. Er selbst ist seit November 2022 der Vorsitzende. Vieles sei damals durch Eigenmittel finanziert worden. Mit einer weiteren Geldspritze soll es in einem guten Jahr dann richtig losgehen. 450.000 Euro sind durch eine weitere Förderung mit dem fertigen Konzept möglich.

„Es ist eine Herzensangelegenheit, dieses Haus zu erhalten. Es ist ein Wert für die Identifikation mit dem Ort“, sagt Maaßen, der in Monschau sein ganzes Leben verbracht hat und herzlich lachen muss, als man ihn fragt, ob er sich irgendwann ein Leben an einem anderen Ort vorstellen könne. Für ihn ist der Anblick der Fachwerkhäuser der Monschauer Altstadt nicht nur ein Aushängeschild in der Region, sondern auch der Inbegriff von Heimat, den es zu bewahren gilt.
Und zu diesem Heimatgefühl gehöre auch die Lebendigkeit in der Altstadt, sagt Maaßen. Sei es die Kirmes, das Schützenfest, der Karneval, der Mundartabend – diese Lebendigkeit, von der Maaßen spricht, entsteht dann, wenn die Menschen im Ort zusammenkommen. Und das Kolpinghaus war schon immer ein Raum für solche Zusammentreffen. Davon erzählt beispielsweise die Kegelbahn, die erhalten bleibt, mit dazugehörigen Pokalen in zwei alten Vitrinen und nicht zuletzt eine Biertheke, die eine Ecke nahe dem Saaleingang füllt. Der Erhalt der Denkmäler scheint eng mit dem Monschauer Vereinsleben verbunden.

„Wir können es jetzt hier einfach nicht alles lassen, wie es ist. Wir müssen es anpacken und nachhaltig etwas machen“, ist sich der Vorsitzende sicher.

Eine gute Nachricht vorab: Die Bausubstanz des Kolpinghauses ist so weit in Ordnung. Fast schon stolz läuft Maaßen über den Dachboden des Hauses und betrachtet die Holzbalken, die so alt sind wie das Haus selbst. „Alles noch top“, sagt er, und leuchtet mit einer Taschenlampe die Ecke des Dachbodens an, in der die Dachkonstruktion zusammenkommt.

Ein nächster Schritt im Saal wäre der Rückbau der dunkelbraunen, abgehängten Decke. Laut Maaßen liegen an mancher Stelle 70 Zentimeter zwischen den in die Jahre gekommenen Holzbrettern und der eigentlichen Decke des Raumes. Durch den hellen Anstrich und die hohen Decken soll der Saal optisch schöner werden.

Ein Punkt der Förderrichtlinie von „Dritte Orte“ wird die Arbeiten im Kolpinghaus zu einer größeren Baumaßnahme machen: Barrierefreiheit. Aktuell ist der Eingang in das Kolpinghaus über eine steinerne Außentreppe auf Höhe des Saals, also quasi im ersten Stock, möglich. Das eigentliche Erdgeschoss dient seit einigen Jahrzehnten als Lagerraum für alle möglichen Sachen, die dort im Laufe der Zeit zurückgeblieben sind. Zukünftig soll man direkt von der Straße aus in das Kolpinghaus kommen. Eine neue Treppe sowie ein Aufzug würden den Weg zum Saal freimachen.

Im Erdgeschoss wartet noch viel Arbeit: Hier soll das Foyer mit einer Treppe und einem Aufzug entstehen.  Foto: Mira Otto
Im Erdgeschoss wartet noch viel Arbeit: Hier soll das Foyer mit einer Treppe und einem Aufzug entstehen.  Foto: Mira Otto

Auch über die weitere Finanzierung des Gebäudes nach der Förderung durch „Dritte Orte“ hat man sich Gedanken gemacht. Eine Geldquelle sollen die Veranstaltungen werden, die nach dem Umbau im Kolpinghaus stattfinden werden. Deswegen wird innerhalb des nächsten Jahres auch ein Konzept für kulturelle Veranstaltungen erarbeitet. Ob eine andere Sache durchgebracht werden kann, steht aktuell noch in den Sternen. Das Kolpinghaus hat mehr Platz als es auf den ersten Blick scheint. Ein Großteil des Dachgeschosses, das Platz für mehrere Wohnungen bieten würde, ist nicht ausgebaut. Die Miete wäre eine Einnahmequelle, mit der das Haus weiterhin erhalten werden könnte.

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