Neue Wege beim demografischen Wandel

 

Sie haben mit Blick auf den demografischen Wandel in Monschau viel Gespräche- und Handlungsbedarf: Anja Sauren (v.l.), Sven Teusen und Marie-Theres Maaßen vom "M.U.T."-Projekt.   Foto: Svenja Pasch               

Das neu gegründete Monschauer Unterstützungsteam (M.U.T.) hilft Menschen, mit den Herausforderungen beim Älterwerden gekonnt umzugehen.

SVENJA PESCH

KONZEN Mut braucht man für viele Dinge im Leben. Mut kostet Überwindung und ist oftmals mit dem Bewältigen von Ängsten verbunden. Mut heißt aber auch, sich auf neue Sachen einzulassen. Das „Monschauer Unterstützungsteam: Gemeinsam Versorgung sichern – M.U.T.“ hat seinen Namen deshalb ganz bewusst gewählt, denn die verantwortlichen Akteure haben in der Zukunft eine Menge vor. Und dafür braucht es ebenfalls Mut.

Immer mehr Menschen über 60

Aber von vorne: Im April vergangenen Jahres fand in Monschau ein Workshop zum Thema „Älter werden in Monschau“ statt. Hintergrund ist der demografische Wandel, dessen Auswirkungen immer spürbarer werden. Konkret heißt das, dass der Anteil der Menschen, der über 60 Jahre alt ist, immer größer wird, während deutlich weniger Menschen in den nachfolgenden Generationen geboren werden.

Organisiert wurde das Ganze von der Monschauer Bürgermeisterin Carmen Krämer gemeinsam mit dem Monschauer Sozialamt und der Städteregion Aachen. Unter der Schirmherrschaft der SPD-Bundestagsabgeordneten und Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Claudia Moll aus Eschweiler, kamen Vertreter aus der Pflege, dem Hospizdienst, aus Seniorenheimen, aus ambulanten Diensten und Vereinen, Pflegekassen, Wissenschaft, Apotheken sowie Ärzte, Betroffene und Angehörige zusammen, um gemeinsam zu erarbeiten, wo die Probleme liegen und wie man diese beheben kann.

Denn auch in Monschau sind die Auswirkungen des demografischen Wandels sichtbar. Während auf der einen Seite die geringe Geburtenrate zu Schulschließungen führt, stellt der Fachkräftemangel auf der anderen Seite eine der größten Herausforderungen dar. Das wiederum kann zu Problemen im medizinischen und pflegerischen Bereich führen.

Ein Beratungsbus ist geplant

Ein weiterer Punkt ist, dass es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, dass mehrere Generationen unter einem Dach wohnen und dass die Pflege von Angehörigen innerhalb der Familie übernommen wird. Corinna Waffender, Mitbegründerin der Initiative „Piqnik: Pflege im Quartier“ leitete den viertägigen Workshop, in dem Modellprojekte erarbeitet wurden, die mögliche Lösungsansätze bezüglich des demografischen Wandels in Monschau boten.

„M.U.T.“ ist eines der Projekte, welches aus dem Workshop hervorging und an dem derzeit gearbeitet wird. Anja Sauren, Sven Teusen, Ellen Offermann, Raphaela Kell, Beate Zehnpfennig und Anita Rönnig bilden unter der Leitung von Marie-Theres Maaßen, der Gleichstellungsbeauftragen der Stadt Monschau, das derzeitige „M.U.T.“-Team. „In unserem Projekt geht es darum, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen aktiv zu unterstützen“, betont Teusen.

Zudem erläutert er: „Die Entlastung und Beratung von pflegenden Angehörigen, die Organisation von Versorgung, Betreuung und Pflege oder auch die Alltagsgestaltung im Alter sind nur einige unserer Anliegen.“ Dazu solle in Zukunft auch ein Beratungsbus gehören, der Interessierten ein mobiles Unterstützungsangebot unterbreite, damit Altern in Monschau nicht zum Problem werde.

„Denn ein großes Thema ist, dass viele ältere Leute gar nicht wissen, an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können und wo es konkrete Anlaufstellen für ihre Anliegen gibt“, berichtet Teusen und ergänzt: „Wir möchten anfangs erstmal bekannter werden. Deshalb sind wir beispielsweise am 13. Mai in Kalterherberg, wo wir das Projekt vorstellen. Geplant ist, dass wir die Dörfer hier in der Eifel abfahren.“

Wichtig ist, dass das Angebot niederschwellig ist. Konkret wird geschaut, wo Bedarf ist und wie am schnellsten und besten gehandelt werden kann. „Als Arzt merke ich, dass Menschen oft erst dann zu mir kommen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Häufig sind es auch Angehörige, die Rat suchen, weil sie nicht wissen, wie sie mit ihren an Demenz erkrankten Angehörigen umgehen sollen“, berichtet Teusen.

Fragliche Finanzierung

Eine zentrale Anlaufstelle, die sowohl über medizinische, als auch soziale Unterstützungsangebote verfügt und dementsprechend weitervermitteln kann, wäre eine Erleichterung. Pflegeleistungen selbst bietet „M.U.T.“ nicht an. Anja Sauren ist ebenfalls Teil des Teams und weiß aus ihrer beruflichen Erfahrung heraus, wo die Probleme liegen. „Ich arbeite in der Verwaltung in einem Seniorenheim und kenne manche Schwierigkeiten auch von meinen eigenen Eltern. Auf dem Dorf sind die Wege oft weitläufiger und die Vernetzung ist nicht überall gegeben, weshalb es eine zentrale Stelle braucht, an der die Hilfen zusammenkommen“, betont sie. Dem kann Marie-Theres Maaßen nur zustimmen. „Wir merken, dass die Hemmschwelle, sich im Rathaus zu melden und aktiv nach Hilfen zu fragen, sehr groß ist. Viele Menschen fragen dann lieber gar nicht, was natürlich fatal ist“, fügt sie hinzu. Kooperationen sind ebenfalls Teil des zukünftigen Vorgehens, wie Teusen betont: „Wir planen, bestimmte Themen im Rahmen eines Vortrages näher zu beleuchten. Denkbar sind Kooperationen mit Krankenkassen, der Polizei oder auch mit Fachpersonen aus verschiedenen Branchen. Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten oder auch das Warnen vor Enkeltrickbetrügern sind einige Inhalte, die im Rahmen von Einzelveranstaltungen geplant sind.“

Ein bisher final noch nicht geklärtes Thema ist die Finanzierung. Auch wenn die Anschubfinanzierung durch die Städteregion Aachen erfolgte, werden für eine nachhaltige Umsetzung von „M.U.T.“ noch Sponsoren und Projektpartner gesucht. Innerhalb des Workshops sind auch zwei längerfristige Planungsabsichten entstanden, die sich unter anderem mit der baulichen Entwicklung ganzer Quartiere beschäftigen. Ein weiteres Projekt, welches gerade am Anfang steht, möchte Menschen mithilfe von Plauderbänken dazu animieren, sich mit dem Älter werden zu beschäftigen.

In dem Zusammenhang ist gemeinsam mit der Kolpingfamilie Monschau ein Schreibwettbewerb zu eben dieser Thematik entstanden. Bis spätestens 28. Februar konnten Interessierte an dem Wettbewerb mit einem Text mit maximal 10.000 Wörtern teilnehmen. Am 29. März werden die drei besten Texte von einer Jury ausgezeichnet und veröffentlicht. Neben tollen Preisen und jeder Menge Spaß gibt es zudem die Gelegenheit, „M.U.T.“ näher kennenzulernen. Denn die Verantwortlichen stellen an diesem Tag ihre Inhalte dem anwesenden Publikum vor.

Ein Infopaket soll im Rahmen des "M.U.T."-Projekts geschnürt werden: So soll es Verträge zu Themen

wie Patientenverfügung Versorgevollmacht oder auch das Warnen vor Enkeltrickbetrügern geben.    

                                  Symbolfoto: dpa/ Oliver Berg

Es werden helfende Hände für das „M.U.T.“-Projekt gesucht, die Lust haben, die bestehende Gruppe zu unterstützen. Wer sich einbringen möchte, kann sich bei Marie-Theres Maaßen (E-Mail: mt.maassen@stadt.monschau.de, Tel. 02472/81 226) melden.

Zurück